VTaler-Stammtisch in der FRASTANZER Brauerei

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Bei Frastanzer wird das Bier noch im Kupferkessel gebraut.

Am 30. Juni war es wieder einmal soweit: Ein weiterer VTaler-Stammtisch für alle Interessierten und natürlich auch alle Enthusiastischen fand in der Frastanzer Brauerei statt. Denn genau wie VTaler-Herausgeber ALLMENDA ist auch die Frastanzer Brauerei genossenschaftlich organisiert.
Dieser Umstand ist aber nur eine von vielen spannenden Informationen, die man an diesem Tag erfahren konnte; denn bei einer von Frau Silvia Mayer geleiteten Führung durch die Brauerei wurde den staunenden Besuchern die Geschichte des Bieres und der Brauerei im Gesamten nähergebracht.

 

Geschichte des Bierbrauens

Bier ist eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit, vermutlich schon von den ersten Ackerbauern kurz nach deren Sesshaftwerdung gebraut; die erste schriftliche Erwähnung findet sich 3500 v. Chr. Noch im 18. und 19. Jhdt. gab es in Vorarlberg über 70 Brauereien, doch mit der zunehmenden Technisierung – auf einmal hatte man Strom zur Verfügung, Kältemaschinen wurden erfunden und die  Filtration wurde  immer wichtiger, um die Qualität des Bieres stetig weiter zu steigern.

Da konnten viele der kleinen Brauunternehmen auf einmal nicht mehr mithalten, was schlußendlich zur Gründung der Genossenschaft „Frastanzer Brauerei“ führte. Auf einem ehemaligen Tabak-Anbaufeld hatte man genügend Platz, das benötigte Wasser strömte von den „Drei Schwestern“ herunter und ein Bahnanschluss war auch vorhanden; heute fällt es einem schwer, sich das vorzustellen, aber vor 113 Jahren war so eine Bahn-Haltestelle ein hypermoderner Infrastruktur-Knotenpunkt.
Inzwischen sind viele Jahre ins Land gezogen, das alte Sudhaus steht unter Denkmalschutz, ein Umbau ist in Planung.

 

Vorarlberg auch hier mit großer Tradition

Doch auch heutzutage verändert sich das Brau-Geschäft immer weiter: Weltweit stellen nur noch 4 Großkonzerne 50% des weltweit produzierten Bieres her. In Österreich heißt der Platzhirsch Heineken, der mit seinen  Tochterunternehmen Puntigamer, Gösser und Brauunion 50% von den 9 Mio. der insgesamt produzierten Hektoliter herstellt. Die größte österreichische Brauerei ist Stiegl mit einem Volumen von ca. 1 Mio. Hektolitern/Jahr.
Wussten Sie, dass – abhängig von der jeweiligen Region – bis in die 40er-, teilweise sogar bis in die 60er-Jahre hinein Bier im Gasthaus gekauft wurde? – Erst das zunehmende Aufkommen von Supermärkten führte langsam, aber sicher dazu, dass diese alte Tradition in Vergessenheit geriet. In Vorarlberg wurde Bier erst ab Ende der 60er-Jahre im Handel verkauft!

Doch auch auf diesem Gebiet hat man es in Vorarlberg wieder einmal ein klein wenig besser als im Rest der Welt, denn hier gibt es immerhin noch vier einheimische Brauereien:
Fohrenburger, das sich im Besitz von Rauch befindet, mit einem Anteil von 30%, das der Familie Huber gehörende Mohrenbräu, mit 50 % Marktanteil der Klassenprimus, Egger Bier, das den Nachkommen der Gründerfamilien Simma, Kohler & Co. gehört und einen Marktanteil von 8% hat und eben Frastanzer, die genossenschaftlich organisierte Brauerei mit einem Marktanteil von 12% oder 35.000 Hektolitern pro Jahr. Vorarlberger Biertrinker schätzen übrigens die einheimischen Brauprodukte sehr – zu 90 % wird im Ländle  heimisches, sprich von einer der oben genannten Brauereien hergestelltes Bier genossen!

 

Der Region verpflichtet

Um sich in Zukunft etwas exponierter auf dem Markt zu präsentieren und sich neue Käuferschichten zu erschließen, geht Frastanzer mit der Zeit und bietet einige Besonderheiten für Feinspitze; so sind zum Beispiel bereits 10% der gesamten Produktion Bio-Bier. Hopfen, Gerste und Malz stammen aus Hallertau und dem  Bodensee Gebiet und werden aus rein biologischem Anbau gewonnen. Pasteurisiert wird dieses Bio-Bier natürlich auch nicht; das geht zwar ein klein wenig zugunsten der Haltbarkeit, erhöht jedoch dafür den gesundheitlichen Wert, weil so die wertvollen Inhaltsstoffe weitgehend naturbelassen bleiben.
Weiterhin verfügt Frastanzer über den Vorteil, dass man noch viel alte (aber gute) Technik im Einsatz hat; das Endprodukt Bier ist deshalb weit mehr naturbelassen, als dies bei anderen Brauereien der Fall ist. So wird hier – und zwar nur noch hier – im Kupferkessel gebraut und auch für die Schrotmühle aus dem Jahre '61, die immer noch brav ihren Dienst tut, wird wohl kaum so schnell ein Pendant in einer anderen Brauerei aufzutreiben sein.
Zusätzlich achtet die Frastanzer Brauerei darauf, sich sozial zu engagieren, was unter anderem zu fruchtbaren Kooperationen mit der Aqua-Mühle und der Lebenshilfe geführt hat. Ein weiteres Schmankerl für Freunde des Frastanzer Bieres ist der Verkauf ab Rampe, der inzwischen schon 20% des Umsatzes ausmacht und den es wirklich nur hier in Vorarlberg gibt; die genauen Verkaufszeiten finden Interessierte hier.

Diese kleinen, aber sehr feinen Unterschiede zur rein gewinnorientiert wirtschaftenden Konkurrenz wird die Frastanzer Brauerei-Genossenschaft in Zukunft vermehrt transportieren – und man kann nur hoffen, dass diese klugen, an den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientierten Verkaufsstrategien sich bewähren und von den Bier-Genießern angenommen werden.

Denn NOCH kann man sich aussuchen, ob man die weltweit einheitlich schmeckenden Biere der großen Konzerne kauft oder ob man doch lieber ein hochwertiges Produkt aus heimischer Produktion verwendet, um mit seinen Freunden anzustoßen …

Im September findet übrigens wieder das „Frastanzer Bockbierfest“ statt; eine ganz besondere Veranstaltung für Freunde der Brauerei, bei der sogar mehr vom leckeren Gerstensaft vertilgt wird als beim jährlichen Landesfeuerwehrfest. Wichtig: Wer dabei sein will, sollte sich die Karten unbedingt im Vorverkauf sichern!